Bericht vom Vortragsabend „Keine Gentechnik in Futtermitteln und Lebensmitteln“ am 27.01.2012 im Fährhaus Tatenberg

1. Februar 2012

Thomas Sannmann, Josef Feilmeier, Jens-Peter Holm

Unserer Initiative ist es gelungen, den Bauern, Landhändler und  Futtermittelhersteller für eine Vortragsreise nach Norddeutschland zu gewinnen.

Sein Name ist Josef Feilmeier, er ist aus der südöstlichen Ecke Deutschlands, nämlich aus dem Passauer Land, zu uns in den hohen Norden gekommen und hat an vier Abenden in Elmshorn, Rendsburg , Steinberg (Angeln) und zuletzt bei uns in Hamburg sein umfangreiches Wissen in fesselnden Vorträgen bereitwillig an uns Zuhörer weitergegeben.

Er ist ein absoluter Idealist und seit Langem ein anerkannter, zäher Kämpfer gegen die grüne oder Agro-Gentechnik. Seine Vorträge hält er unentgeltlich und ist völlig unabhängig von der Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Für ihn zählt nur die Sache und beweisbare Fakten, die eindeutig belegbar sind. Seine Tätigkeit im Expertenteam Futtermittel und Markt kommen ihm dabei zugute. Im November 2007 wurde ihm der Nachhaltigkeitspreis für sein Wirken verliehen.

„Ich freue mich, daß es hier im Norden eine so starke Gemeinschaft für gentechnikfreie Futtermittel und Lebensmittel gibt, das macht mich sehr zuversichtlich, daß wir im nächsten Jahr deutschlandweit gentechnikfrei füttern und essen können“, waren seine Worte bei der Abreise aus Hamburg. „Wir bleiben in Kontakt und unterstützen uns gegenseitig“.
Und so wollen wir es halten.

Hier folgt nun der Bericht zu seinem Vortrag:

Regionale Produkte ohne Gentechnik im Trend

Josef Feilmeiers Ziel ist „Keine Gentechnik in Futtermitteln und Lebensmitteln“.  Mit knallharten Fakten erklärt der bayrische Futtermittelhersteller im Fährhaus Tatenberg den mehr als 30 Landwirten, Verbrauchern und Mitgliedern der Initiative Gentechnikfreie Metropolregion Hamburg die Gefahren gentechnisch veränderter Pflanzen.  „Bürger und Bauern werden belogen, dass sich die Balken biegen“, sagt der engagierte Querdenker. Er widerlegt gängige Aussagen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen wie Soja, Raps, Mais oder Reis mehr Arbeitsplätze schaffen, mehr Ertrag bringen, weniger Pestizide benötigen und den Hunger in der Welt bekämpfen können.

Gefahren lauern vor allem beim vermehrten Einsatz von Breitbandherbiziden (z.B. Roundup) in Gen-Soja-Monokulturen. Das hat langfristig ein Artensterben und Absterben des Bodenlebens zur Folge. Auch die oft propagierte Koexistenz zwischen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und konventionellen Pflanzen sei nicht möglich: GVO´s kreuzten weiträumig aus durch Pollenflug (Wind) und Bienen. Dieser Prozess sei nicht rückholbar, das Risiko unkalkulierbar, wie auch das Bundesamt für Naturschutz auf seiner Website bestätigt: „Als lebende Organismen können sich GVO reproduzieren und ihre Gene in der Umwelt ausbreiten. GVO sind daher nicht rückholbar und unterscheiden sich in dieser Hinsicht von Stoffeinträgen in die Umwelt wie z.B. Chemikalien, Pestiziden oder Arzneimitteln.“

Doch Saatgutkonzerne stellen immer wieder Anträge für Freisetzungsversuche wie die KWS Saat AG letzte Woche beim Bundesamt für Verbraucherschutz. Der Konzern möchte von 2012 bis 2018 in Deutschland mit gentechnisch veränderten Zuckerrüben in der freien Natur experimentieren. Für ungewollte Auskreuzungen übernehmen Saatgutfirmen aber keine Verantwortung und keine Haftung.

Josef Feilmeier schildert ein Szenario der Abhängigkeiten,  wenn Landwirte  gentechnisch verändertes Saatgut wie die Roundup-Ready Sojabohne benutzen. Durch Patentrechte müssen Landwirte wie zum Beispiel in den USA jedes Jahr neues Saatgut kaufen und geraten durch Knebelverträge in Abhängigkeit. Ziel der großen Saatgut- und Chemiekonzerne sei, mit dem teuren, gentechnisch veränderten Saatgut den Markt weltweit zu kontrollieren. Feilmeiers Botschaft an das Publikum: Werdet selbst aktiv und hinterfragt die Aussagen der Agro-Gentechnik-Konzerne wie Monsanto, BASF, Syngenta, KWS und der Bauernverbände.

Die Summe der negativen Auswirkungen führt ihn zur Kernfrage, wofür wir überhaupt gentechnisch veränderte Pflanzen brauchen. „Unsere derzeitigen Natur- und Kulturpflanzen besitzen alle Qualitäten. Wir benötigen keine Pflanzen, die selbst Gifte produzieren oder gegen Herbizide wie Roundup resistent sind.“ Die Rückstände der Pflanzenschutzmittel wie beispielsweise in den stark gespritzten Gen-Sojasorten hätten schwerwiegende Folgen für Umwelt, Mensch und Tier, wie unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen zeigen. „Wir spielen mit dem Leben“, sagt Nachhaltigkeitspreisträger Feilmeier und für ihn ist klar: „Wir müssen gegen diese Industrie aufstehen.“

Josef Feilmeier verrät seinen Hamburger Zuhörern ein Rezept, das bereits in Österreich und in weiten Teilen Bayerns glänzend funktioniert: Durch gentechnikfreie Fütterung werden regionale Lebensmittel wie Fleisch, Milch, Eier in hoher Qualität erzeugt und damit die eigene Region gestärkt. Konkrete Beispiele liefert er aus dem Milch-Sektor: „In Bayern haben wir bereits 120 Händler, die nur gentechnikfreie Futtermittel anbieten“. Auch würden immer mehr Molkereien auf das Siegel „Ohne Gentechnik“ umstellen. Vorteil für die  Erzeuger: „Sie erhalten einen guten Preis für ihr Qualitätsprodukt“, so Feilmeier.  Erstaunlicherweise sind hier Diskounter oft Vorreiter, die von Milchbauern immer häufiger eine gentechnikfreie Fütterung verlangen. Sie beugen sich damit der Macht der ca. 80 Prozent Verbraucher, die gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnen.

Schnell steht die Frage im Raum, wie gentechnikfreie Futtermittel auch hier zu beschaffen sind. „Wer zahlt, schafft an“, sagt der Futtermittelhändler und rät: „Schließen sie sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammen und fragen sie immer wieder bei ihren Lieferanten nach.“ Der langfristige Vorteil für Landwirte zeige sich im Betriebsertrag. Durch gesundes, gentechnikfreies Futter blieben die Tiere erwiesenermaßen gesünder, Tierarztkosten und Medikamente würden deutlich reduziert. Feilmeier sieht den Trend zu kleineren Landwirtschaftsbetrieben, die effizienter arbeiten und finanziell gesünder dastehen.

„Der Markt dreht sich, Masse und billig sind out“, sagt Josef Feilmeier, der als Mitglied im internationalen Expertenteam „Futtermittel und Markt“ Einblick in alle relevanten Markt-Sparten hat. „Regionale Produkte mit dem Bundes-Label „Ohne Gentechnik“ sind die Zukunft.“

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