Bantam-Mais Pflanzen in den Mai: Hamburger Familien, Erzeuger, Politiker und Umweltschützer investieren in die Zukunft

8. Mai 2011

Die Zukunft der Landwirtschaft und der Lebensmittelerzeugung liegt vielen Hamburgern am Herzen. Das bewiesen die 300 Gäste der „Initiative für eine gentechnikfreie Metropolregion Hamburg“ am 30. April 2011: Sie pflanzten 5.000 samenfeste Bantam-Mais-Setzlinge für eine gentechnikfreie Zukunft in die bio-dynamische Erde der Demeter Gärtnerei Sannmann am Ochsenwerder Norderdeich 50 in 21037 Hamburg. Auf der Pressekonferenz im Mais-Feld protestierten Vertreter von CDU, GAL, SPD und der LINKEn  sowie von Umweltorganisationen und landwirtschaftlichen Verbänden  einhellig gegen Gentechnik auf dem Acker, in Futtermitteln und auf dem Teller. „Wir müssen jetzt handeln und Saatgut und Boden gentechnikfrei erhalten“, fordert Thomas Sannmann, Gärtnermeister und Sprecher der Hamburger Initiative. „Wir tragen die Verantwortung für unsere Kinder und die künftigen Generationen.“

Gerhard Lein, SPD Wahlkreis Bergedorf und MdHB, kritisiert vor allem das Ziel hinter der gentechnischen Manipulation von Pflanzen, „durch exzessives Anwenden von Patentrechten, Teile des Erbgutes von Pflanzen für Firmeninteressen zu monopolisieren“: „Ich wehre mich sehr gegen diesen neuen Trend“, so Gerhard Lein, „und möchte mithelfen, Widerstand zu organisieren, gerade auch als  Wahlkreisabgeordneter aus Bergedorf, dem grünen Herzen der Stadt.“

Pressekonferenz vor dem Folientunnel in der Demeter Gärtnerei Sannmann: v.l.n.r.: Andrea Rugbarth, SPD, Dora Heyenn, Fraktionsvorsitzende Die LINKE, Gast, Birte Niebuhr, Greenpeace, Carola Timm, GAL, Dr. Heike Kuhnert, Land und Markt, Gerhard Lein, SPD, Heidrun Schmitt, GAL Fachsprecherin für Gesundheit und Verbraucherschutz.

Dora Heyenn, Fraktionsvorsitzende der LINKEn und Fachsprecherin für Bildung, Schule, Wissenschaft und Umwelt, setzt sich für eine gentechnikfreie Metropolregion Hamburg ein und wünscht sich von den Medien mehr Aufmerksamkeit für das Thema Umweltverschmutzung durch Gentechnik: „Umweltverschmutzungen können abgebaut werden, gentechnische Veränderungen im Saatgut hingegen breiten sich immer mehr aus“, erklärt Dora Heyenn. DIE LINKE stellte am 4. Mai in der Hamburger Bürgerschaft einen weiterweisenden Antrag zur gentechnikfreien Landbewirtschaftung in Hamburg mit einem  5-Punkte-Programm:  1. Unterzeichnung der Charta gentechnikfreier Regionen, 2. generelles Verbot von Saat- und Pflanzgut in Naturschutzgebieten, 3. bei Neuverpachtung landeseigenen Flächen kein Anbau von GVOs, 4. Vermarktungsförderung von gentechnikfreien regionalen Produkten, 5. den Beschluss der Bürgerschaft vom 10.02.2010 Gentechnikfreiheit für Hamburg zu fördern, konsequent weiter zu verfolgen und zu vertiefen.

Für Volker Gehrmann von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft (save our seeds/bantam-mais) sind die Umwelt- und Gesundheitsrisiken der Agro-Gentechnik zu hoch. „Nur unser gemeinsamer, beharrlicher und entschlossener Widerstand vor Ort wird auch weiterhin den Anbau von Gentechnik verhindern“, meint Gehrmann und verweist auf die Bedrohung der Artenvielfalt durch gentechnisch veränderte Pflanzen und die weltweite Monopolisierung des Saatgutes durch Agrar-Mulitikonzerne.

Starken Worten gegen Agrogentechnik folgten starke Taten – auf dem Weg ins Feld zum Bantam-Mais pflanzen: v.l.n.r. Georg Janßen, AbL. (4. Person im Bild), (davor) Andrea Rugbarth, SPD Fachsprecherin für Mittelstand und Handwerk, Heidemarie Thiele, Landesfrauenrat, Landwirt Jens-Peter Holm, Initiative für eine gentechnikfreie Metropolregion Hamburg, Gerhard Lein SPD, (verdeckt) Gert Kekstadt, SPD, Andrea Porps, Ökomarktverein.

„Saatgut ist die Grundlage unseres Lebens“, bekräftigt auch Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Sprecher des Bündnisses für eine gentechnikfreie Landwirtschaft Niedersachsen, Bremen und Hamburg. „Vielfalt und Unversehrtheit des einheimischen Saatguts ist von entscheidender Bedeutung für eine bäuerlich ökologische Zukunftslandwirtschaft. Deshalb  müssen wir uns einmischen – auch bei der Reform der Europäischen Agrarpolitik. Jeder kann kleine Schritte tun und symbolisch eine gentechnikfreie Zukunft säen, wie mit dieser Aktion, Bantam-Mais zu pflanzen“, so Janßen.

Birte Niebuhr von Greenpeace Hamburg möchte vor allem die Verbraucher informieren, welche Produkte wirklich ohne Gentechnik produziert werden und welche Firmen auf Gen-Pflanzen im Tierfutter verzichten: „Auf Nummer sicher geht, wer auf Bio-Produkte zurückgreift oder auf das Siegel „Ohne Gentechnik“ achtet“, rät Birte Niebuhr.

Gemeinsam aktiv gegen Gentechnik beim Bantam-Mais Einpflanzen: Pflanzloch ausstechen, guten Kompost rein, Bantam-Mais hinterher und mit bio-dynamischer Erde fest andrücken! Und im Herbst zum Hoffest am 18. September 2011 Zuckermais ernten in der Gärtnerei Sannmann. v.l.n.r.: Bernd Capeletti, CDU, Dora Heyenn, Die LINKE, Elke Holm, Landfrauenverband, Andrea Rugbarth, SPD, Gert Kekstadt, SPD, Georg Eggers, Initiative für eine gentechnikfreie Metropolregion Hamburg, Gabriele Lye, GAL, Carola Timm, GAL, Heidrun Schmitt, GAL

Mehr Transparenz und Öffentlichkeit für Verbraucher zum aktuellen Stand des Gentechnikeinsatzes bei Lebensmitteln, wünscht sich Dr. Heike Kuhnert, Land und Markt. Sie hat zusammen mit der Universität Hamburg eine Studie zum Hamburger Öko-Markt erstellt. „Nach einer Studie der Europäischen Kommission sind fast drei Viertel der Deutschen über gentechnisch veränderte Organismen in Lebensmitteln besorgt“, so Dr. Kuhnert. „Die Bio-Branche muss noch besser deutlich machen, dass sie die Anforderungen an eine Lebensmittelerzeugung ohne Gentechnik voll erfüllt und welche Vorteile für Mensch und Mitwelt damit verbunden sind.“

Bernd Capeletti, CDU Wahlkreis Vier- und Marschlande und MdHB, kennt persönlich keinen Verbraucher, der sich gentechnisch veränderte Lebensmittel auf dem Teller wünscht. Ein Anbau von GVO-Pflanzen kommt für Hamburg und insbesondere in den Vier- und Marschlanden nicht in Frage, weil „hier der Anbau unterschiedlichster Kulturen auf kleinteiligen Flächen üblich ist und das Risiko einer Verunreinigung von Nachbarfeldern“, so Capeletti, „ bei einem Anbau von GVO Pflanzen grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden kann.“

Unbefriedigend sind deshalb auch die Ideen der EU-Gesetzgeber zur Koexistenz konventionell angebauter und gentechnisch manipulierter Pflanzen. „Das glaubt doch kein Mensch, dass sich gentechnisch veränderter Samen nicht durch Pollenflug oder Bienen unkontrolliert ausbreiten könnte“, vermutet Andrea Rugbarth (MdHB) SPD-Fachsprecherin für Mittelstand und Handwerk. „ Deshalb ist es so wichtig,  dass ganze Regionen in unserer Republik und nach Möglichkeit auch europaweit gentechnikfrei bleiben. Nur so können wir unseren Standort – die Vier- und Marschlande dauerhaft stärken“, so Rugbarth, „denn „Gentechnikfrei“ ist ein Qualitätsmerkmal für die Verbraucher, die genau aus diesem Grund ihren Bedarf an Obst und Gemüse auf den Wochenmärkten einkaufen. Rugbarth forderte, dass Hamburg die freiwillige Selbstverpflichtungserklärung gentechnikfrei zu wirtschaften, unterschreibt.

In der gentechnischen Pflanzenforschung sieht Jens-Peter Holm, Naturland-Landwirt aus Altengamme und Mitglied der Initiative für eine gentechnikfreie Metropolregion Hamburg, ethisch-moralische Wertvorstellungen außer Acht gelassen. „Ich bin gegen Gentechnik in der Landwirtschaft und in Lebensmitteln, weil von Menschenhand völlig widernatürlich in den Lebenszyklus eingegriffen wird und die Auskreuzung von Genpollen in den Naturkreislauf unkontrolliert geschieht und nicht rückhol bar ist“, sagt Holm.

Der World Future Council begrüßt die verantwortungsvolle Entscheidung der Stadt Hamburg, gentechnikfrei zu wirtschaften und  fordert eine durchgängige und schnelle Umsetzung des Bürgerschaftsbeschlusses von 2010. „ Insbesondere als Umwelthauptstadt muss Hamburg in punkto vorsorgeorientierte Risikoabschätzung und Ernährungssicherheit eine wegweisende Rolle einnehmen!“ fordert Ingrid Heindorf, Policy Officer der Stiftung World Future Council.

Gentechnikfreiheit muss beständig verteidigt und aktiv gestaltet werden, findet Heidrun Schmitt, GAL Fachsprecherin für Gesundheit und Verbraucherschutz: „Ein Jahr nach dem Beschluss der Bürgerschaft zur Gentechnikfreiheit fordern wir als GAL-Fraktion am kommenden Mittwoch (04.05.11) den Senat auf, nun auch die Charta der gentechnikfreien Regionen – bekannt als Charta von Florenz – zu unterzeichnen.“  Mit der Charta verpflichten sich europäische Regionen, gemeinsam die gentechnikfreie Landwirtschaft zu schützen. „Nur starke und selbstbestimmte Regionen können gentechnikfreie Räume in Europa erhalten“, erklärt Heidrun Schmitt. „Hamburg sollte dabei sein!“

Thomas Sannmann, Sprecher der Initiative „Gentechnikfreie Metropolregion Hamburg“ gab am 04.05.2011 folgendes Statement zum Änderungsantrag der Fraktion DIE LINKE, Betr.: Gentechnikfreie Landbewirtschaftung in Hamburg, zur Forderung der SPD, dass Hamburg die freiwillige Selbstverpflichtungserklärung zum gentechnikfreien Wirtschaften unterschreiben sollte und zur Forderung der GAL am Mittwoch, 04.05.2011, dass Hamburg die „Charta von Florenz“ unterzeichnen sollte:

„Auf jeden Fall sollte Hamburg aus Verantwortung für die Natur und die Menschheit die freiwillige Selbstverpflichtung unterschreiben  und die „Charta von Florenz“ mit unterzeichnen. Das sind sehr wichtige, symbolische Zeichen, die zeigen, dass Hamburg sich als Bundesland in Deutschland eindeutig für Gentechnikfreiheit stark macht.

Am 30.04.2011 haben sich die Vertreter von CDU, GAL, SPD und der LINKEn auf der Pressekonferenz in der Demeter Gärtnerei Sannmann in Hamburg Ochsenwerder einhellig dafür ausgesprochen, dass Hamburg gentechnikfrei bleiben muss und haben das mit dem gemeinsamen Pflanzen von samenfesten Bantam-Mais bekräftigt.

Heute entscheiden wir über Gentechnik in der Landwirtschaft und der Natur. Gentechnisch veränderte freigesetzte Pflanzen sind nicht wieder rückhol bar – spätestens unsere Kinder haben dann ein Riesenproblem damit und müssen die (gentechnisch veränderte) Suppe auslöffeln, die wir ihnen eingebrockt haben.

Bitte unterstützen Sie unsere Initiative und setzen Sie ein Zeichen gegen die Agro-Gen-Konzerne, für freie Landwirte und gesunde gentechnikfreie Lebensmittel, bevor es zu Schäden kommt.“

Gästeliste der Pressekonferenz „Bantam-Mais“ am 30.04.2011 in der Gärtnerei Sannmann:

Bernd Capeletti, CDU

Volker Gehrmann, Bantam-Mais, save our seeds

Ingrid Heindorf, World Future Council

Dora Heyenn, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Fachsprecherin für  Bildung, Schule, Wissenschaft, Umwelt

Georg Janssen, Bundesgeschäftsführer  der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) und Sprecher des Bündnisses für gentechnikfreie Landwirtschaft Niedersachsen, Bremen und Hamburg.

Gert Kekstadt, SPD

Dr. Heike Kuhnert, Land und Markt,

Gerhard Lein, SPD

Gabriele Lye, Vorstand GAL Bergedorf

Birte Niebuhr, Greenpeace, ehrenamtliche Referentin für Gentechnik und nachhaltige Landwirtschaft

Andrea Rugbarth, SPD , Fachsprecherin für Mittelstand und Handwerk

Heidrun Schmitt, GAL Fachsprecherin für Gesundheit und Verbraucherschutz

Heidemarie Thiele, Landesfrauenrat

Carola Timm, Vorstand GAL Bergedorf

02.05.2011 taz »Setzlinge gegen Gentechnik«

02.05.2011 Bergedorfer Zeitung »Mais-Aktion gegen Gentechnik«

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